Danke, Mario

Es gibt Momente, in denen schämt man sich. Vielleicht ungerechtfertigterweise. Ohne Grund. Weil man nicht müßte. Aber man schämt sich. Und ist wütend. So ging’s mir gestern, als Mario Balotelli im Westfalenstadion von den Besuchern des Champions League Spiels Borussia Dortmund gegen Manchester City mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert empfangen wurde.

Was war passiert? Gute Frage. Hatte Balotelli vor seiner Einwechslung Jürgen Klopp in die Wade gebissen? Der Südtribüne seinen nackten Arsch gezeigt? Falls ja, hab‘ ich das wohl verpaßt. Nein, er schien schlicht und ergreifend das Verbrechen begangen zu haben, bei der diesjährigen Europameisterschaft eine pomadige deutsche Halbfinal-Nationalmannschaft fast im Alleingang aus dem Turnier zu schießen. Und danach noch etwas extrovertiert zu Jubeln.

Bei allem Verständnis für die Anhänger der deutschen Adlerelf – und davon habe ich, ich gebe es zu, extrem wenig – das ist billig. Widerlich. Ein Verhalten wie ein Kleinkind. Und vor allem, nationalistische Scheiße.

Ooooh, werden jetzt die Schlandfratzen und Deutschlandjennys brüllen, nein, nein, nein, das ist doch Fußball, mit Nationalismus hat das alles rein gar nichts zu tun. Wißt ihr was? Fickt euch. Ihr mit eurem Partypatriotismus geht mir eh auf den Senkel. Ihr, die ihr nicht in der Lage seid zu differenzieren. Zu bewerten. Ihr, die ihr nur eure niederen Triebe auf den Rängen eines Stadions ausleben wollt.

Aus Liebe zum Spiel? Das ihr so mögt? My ass. Ihr seid nicht mal in der Lage anzuerkennen, wenn ein Spieler eine hervorragende Leistung vollbracht habt und erwartet dann, daß man das alles nicht so eng seht? Eure billigen, subtil-latent ausländerfeindlichen Italienwitze vor jedem Aufeinandertreffen beider Mannschaften? Nicht genug, daß mir das vor Länderspielen schon dermaßen auf den Zeiger geht (und da auch nicht nur im Bezug auf Italien. Ich sag nur „englische Torhüter“). Muß ich mir den Dreck jetzt auch noch bei Champions League Spielen geben?

Was kann Balotelli dafür, daß deutsche Nationalspieler solche Hühnerbrüstchen sind? Nichts. Er ist nur Projektionsfläche für eure widerwärtigsten Instinkte, die ihr damit entschuldigt, daß es „ja nur ein Fußballspiel“ sei. Ihr habt nichts verstanden. und, nein, ihr tut mir nicht mal leid. Ein ganz peinlicher Auftritt. Ohne Stil und ohne Klasse.

Man würde sich wünschen, daß sich die Idioten gestern im Westfalenstadion ein Beispiel an ihrem Torwart nehmen. Der ist zwar auch nicht der Hellste, schrieb heute auf Facebook aber wesentlich weisere Worte, als es alle Pfiffe des Publikums gestern je sein können.

Auch wenn man es sich nach unserem letzten Smalltalk in Manchester nicht vorstellen kann
wir verstehen uns bestens! Danke, Mario!

Und mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.

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6 Gedanken zu „Danke, Mario

  1. Nichts weiter.

    Aber schön, dass Dich meine Kritik zum Nachdenken angeregt hat 🙂 Immer wieder schön mit den Predigern zu diskutieren, deren Meinung in Stein gemeißelt und selbstverständlich die einzig Richtige ist!

    Mach’s gut.

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