Auswärtsspiel: Männer – ein Fußball-Liederabend (Expo XXI, Schauspiel Köln)

Meine Eltern hatten sich gedacht, mir für den ersten Weihnachtsfeiertag Theaterkarten zu schenken. Weil es ein Stück geben sollte, in dem es um Fußball geht. Auszug aus der Ankündigung gefällig? „Wo ist ein Mann noch ein Mann? Im Fußballstadion!“ Das klingt ideenlos und platt. Da man einem geschenkten Gaul aber nicht ins Maul schauen soll, tat ich mir das Stück, was unter dem bezeichnenden Titel „Männer“ (Trailer) aufgeführt wurde, mal an.

Das Bühnenbild war schonmal stilecht. Eine Sitzplatztribüne. Ein Schal hier, ein Trikot dort. Es betreten acht Männer die Bühne. Im ersten Singspiel Lalala-en sie sich durch eine Fußballspielszene. Mit Haare raufen, aufregen, hoffen, bangen, mit Enttäuschung, Freude und Trauer. Lustig als Auftakt. Vielversprechend. Wie eine Mannschaft, die direkt vom Anpfiff weg gut loslegt.

Aber dann verflacht das Spiel. Will sagen, daß Stück, in dem eigentlich nicht gesprochen, sondern nur gesungen wird, wird beliebig. Indifferent. Manchmal langweilig. Es plätschert dahin.

„Männer – ein Fußball-Liederabend“ ist eigentlich ein Etikettenschwindel. Es geht um Dinge, die man für gemeinhin als männlich hält, um Männerperspektiven auf beendete Beziehungen, um Trost, den man sich deswegen spendet. Natürlich auch um’s Saufen. Um Frauen natürlich auch. Ab und zu auch mal um Fußball. Aber das wirklich nur am Rande. Eine bunte Revue deutscher und intrnationaler Schlager. Vom vor’m Krieg bis in die Gegenwart. Manchmal eingedeutscht, manchmal im Original.

Amüsant sind eigentlich immer nur die Anspielungen auf den hiesigen Zweitligisten, dessen manische Verehrung eines Heroen aus Bergheim, der jetzt auf der Insel sein Geld verdient, herrlich auf die Schippe genommen wird. Mit Engelschören und Monstranz.

Aber im Großen und Ganzen wirkt die Aufführung konzeptlos. Sicher, ein paar Lacher sind dabei, die Gesangskünste sind gut, aber es fehlt der letzte Kick. Und die heimatlich-gefühlsbesoffene Rezitation von „Drink doch eine mit“ als Zugabe wirkt auch etwas überzogen und gewollt.

90 Minuten, für die ich sicher kein Geld ausgegeben hätte.

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