Bayern verabscheuen endlich wieder leicht gemacht (Bundesliga 2012/13, 21. Spieltag)

Wenn irgendjemand noch einen letzten Restzweifel an der Meisterschaftentscheidung in diesem Jahr gehabt haben sollte – und das waren wahrscheinlich eh nur die noch nicht vernarbten Seelen einiger Bayern-Anhänger und unverbesserliche Journalisten mit Blick auf Auflagen – dann dürfte der seit gestern auch beseitigt sein. Was nicht wirklich schlimm ist, denn so ein Ausgang ist ja mehr oder weniger Normalität.

Insofern kann man (ich) sich wieder dem widmen, was am meisten Spaß macht: Bayern verabscheuen. In den letzten zwei Spielzeiten mußte man ja fast Mitleid bekommen ob der Spiel von der traurigen Gestalt aus München. War aber auch perfide angestellt, diese Leverkusen-Kopie. Aber in dieser Saison zeigt der Rekordmeister (gähn) aus dem Süden endlich wieder sein wahres Gesicht. Nicht nur Spieler und Chefetage, natürlich auch der Anhang.

Gut, wie schon gesagt, ich mag den Verein nicht, ich mag die Anhängerschar nicht, mir ist das alles zuwider. Aber selbst ich muß anerkennen, daß die Mannschaft einen ziemlich gepflegten, um nicht zu sagen, hervorragenden Ball spielt. Was ja alles ganz toll ist, aber als ich gestern die öffentliche Trainingseinheit gegen Schalke sah, riß mich da rein gar nichts aus dem Sitz. Und da frage ich mich natürlich, woran so was liegt. An meiner Abneigung? Sicherlich. Aber zu einem großen Teil sicher auch an dem Drumherum. Bis auf wenige Ausnahmen gepflegte Zurückhaltung. Null Begeisterung. So, wie sich das eben für Großunternehmenfußball gehört.

Was man nicht schlimm finden muß. Es wirkt ein wenig putzig, weil ja gerade das Führungstrio, und dort vor allem die Mutter Theresa des deutschen Fußballs, ja immer darauf erpicht sind, den „Verein“ als eben dieses nicht darzustellen, sondern als eben ganz normalen Verein.

Was ich mich wieder gefragt habe – und das geht mir nicht nur bei den Bayern so, sondern auch bei anderen Vereinen wie United, Real oder Barca – wieso hängt man so einem Verein an, wenn man nicht aus der Stadt kommt. Und die häufigste Begründung, die man zu hören bekommt, ist, daß der Verein früher immer gewonnen habe und man so dann eben dazu gekommen sei.

Gewonnen. Früher. Nett. Aber eben irgendwie auch stinklangweilig. Der Zustand, der schon nach der, zugegeben, bitteren Niederlage in Barcelona so wunderbar in einem Artikel beschrieben wurde.

Was den FC Bayern und die ihn umschwirrenden Medienschmeißfliegen unglaublich nerven muß: man dominiert die Liga, aber irgendwie interessiert das keine Sau. Die Meisterschaft war schon durch, bevor der BVB gegen Hamburg verlor. Das mag jetzt nicht die Schuld der Bayern sein, aber, ganz ehrlich, lange war ’ne Miesterschaft nicht mehr so langweilig. Und lange war der Kampf um die CL-Plätze nicht mehr so spannend.

Was aber irgendwie am lustigsten ist, sind die (sicher nicht repräsentativen) Reaktionen einiger Bayern-Anhänger bei Twitter. Oje, muß der Stachel des Vizetriples aus der letzten Saison noch tief sitzen.

Also, alles wieder beim (langweiligen) alten.

———————–

Und sonst? Schalke trudelt, daß es fast schon nicht mehr lustig ist. Nun, meine Sympathien für Königsblau sind extrem begrenzt, aber das ist einfach nur traurig. Da spielt eine Mannschaft zu Beginn der Saison (fast) alles in Grund und Boden, gewinnt sogar das Derby, nur um dann auf unerklärliche Weise abzuschmieren. Und da bei solchen Dingen ja der Fisch meistens immer vom Kopf her stinkt, ist Keller wahrscheinlich die ärmste Sau im Verein. Unverständlich bleibt, warum sich nicht von alten Zöpfen aka Spielern getrennt wird. Die Jugend wir deutscher Meister, die U23 spielt in der Regionalliga West oben mit und in der ersten Mannschaft kommt davon, außer vielleicht Draxler, nichts an. Eigentlich schade.

In Dortmund ham se das Problem nicht, dafür eins auf links. Wer hätte gedacht, daß der – laut Medien – vom Bundes-Löw gescholtene Schmelzer so dermaßen wichtig für den BVB sein würde. Immer, wenn der ausfällt, bricht die gesamte Defensivabteilung in sich zusammen. Vielleicht ein indirektes Kompliment, daß seine Mannschaftskollegen ihm machen wollen. Andererseits stand der BVB gestern gegen Hamburg auch extrem neben sich, so kann man auch gegen einen sicher nicht die Sterne vom Himmel spielenden HSV mal verlieren. Was erfreut sind die realistischen Einschätzungen der Verantwortlichen, die ich nach dem Spiel auf WDR2 gehört habe. Sowohl Sahin als auch Klopp versteckten sich nicht hinter Ausflüchten, sondern bewerteten das Spiel ruhig und sachlich. Vielleicht auch ein Zeichen, daß Fieldinterviews mit Abstand geführt werden sollten, den im TV scheint man sich anders geäußert zu haben. Was weniger erfreut sind die Streubomben aus Richtung Südtribüne gegen van der Vaart. Hatte letzte Woche noch eine Diskussion mit einem Kollegen, der Verständnis äußerte, wenn Besucher etwas auf das Spielfeld werfen. Geht mir völlig ab. Ich gehe in ein Stadion, um ein Fußballspiel zu sehen, nicht um mit Sachen um mich zu werfen.

Schaut man eine Liga tiefer, kehrt in Köln endlich wieder Ruhe ein. Wobei, hey, die Vorstellung der Schlachtenbummler in Cottbus? Aller Ehren wert. Um nicht zu sagen, eine Rakete wert. Zig Kostüme im Block und die ganze Zeit Karnevalsklassiker am Singen, so was verdient Respekt. Da sehe ich dann auch über den Grottenkick hinweg.

Werbeanzeigen

4 Gedanken zu „Bayern verabscheuen endlich wieder leicht gemacht (Bundesliga 2012/13, 21. Spieltag)

  1. Ich kann dir sagen, wie ich Bayern-Fan wurde: Ähnlich nämlich, wie du es beschrieben hast. Aber leicht war das nicht. Mein Vater ist kein Fußballfan, sah aber trotzdem gerne Sportschau und Europapokal. Entsprechend sah ich als Steppke öfter Bayern als andere Vereine und ließ mich, da mein Vater ausfiel, eben vom Fernsehen prägen. In der Grundschule in einer Kleinstadt vor Düsseldorf, war das aber kein Zuckerschlecken. Da musste ich mich auf dem Schulhof für meine Vorliebe verkloppen lassen. Und wenn beim Kick auf der Wiese alle in ihren F95-Trikots mit gelber ARAG-Werbung aufliefen, dann durfte ich mein schneeweißes Bayern-Auswärts-Outfit nicht tragen.

    Ich habe mir meinen Verein nicht ausgesucht, übrigens auch die Fortuna nicht, sondern der Verein hat sich mich ausgesucht.

    • Das glaube ich Dir alles, ist für mich als jemand, der komischerweise Vereine mag, die, wenn überhaupt, nur periphär erfolgreich sind/waren, halt schwer nachzuvollziehen. (^_^)
      Rückfrage: wieso nicht Düsseldorf? War das nicht die große Zeit mit den DFB-Pokal Siegen?

      • Danke für das Kompliment, aber ich bin die entscheidenden Jahre älter, Jahrgang 69.

      • Okay, das sind dann wirklich die entscheidenden Jahre, haha. Aber du hättest ja auch (brrrrr) Gldbach-Fan werden können, hahaha. (^_^;)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s