Traumabewältigung oder „Friede seiner Asche“ (Sportfreunde Düren – Fortuna Köln 0:3)

Tage wie dieser verlangen nicht nach dem langweiligen Genöhle einer Düsseldorfer Ex-Punkband, sondern nach Revanche. Für manche ist ein Werktag die Lust auf Europa, für die Fortuna ist es die Verabredung mit dem Schicksal. Und sie hat diese Aufgabe mit Bravour gemeistert.

Man hätte es sich nicht nicht besser ausdenken können. Uhr zurückgedreht, fast genau 365 Tage. Ein naßkalter Spätwinter/Frügfrühlingsabend, irgendwo im Niemandsland zwischen der Domstadt und dem Dreiländereck im Westen. Ein aufstrebender Bezirksligist. Ein nach sich selbst suchender Regionaligist. Perfekte Zutaten für eine Pokalsensation. Oder ein Trauma. Asche. Das Schlachtfeld der zerstörten Träume. Irgendwie lachen immer die anderen. Man neigt dazu, sich in Sarkasmus zu flüchten.

Ein neues Jahr bringt einen neuen Pokal. Der wiederum bringt unvermeidlich Erwartungen, nur machen die den Anschein, als seien sie dieses Mal wesentlich niedriger als sonst. Was soll man sich denn auch Hoffnungen machen? Nach einem holprigen Start in der ersten Runde und einem Arbeitssieg in der zweiten. Und dann kommt das Trauma zurück. Fast auf den Tag genau ein Jahr später. Wieder im Viertelfinale. Wieder auf Asche. Wieder in … Düren.

War ich nervös? Sicher. Auch, wenn ich gar nicht vor Ort war. Der Stream war stabil, die Aussicht ab und an durch rasende „Radio Köln“-Reporter versperrt. Stadionatmosphäre halt. Ab und an hüpfte auch Klaus Ulonska durch’s Bild. Zu erkennen war kaum etwas außer dem Respekt, den der höherklassige Verein mitgebracht hatte. Wenig Struktur, viel hoch, viel weit, viel lang. Und kaum Chancen. Dafür aber das „Fußballfans gegen Homophobie“-Wanderbanner hinter Poggenborgs Tor. Wurde vom Kommentator leider überhaupt nicht erwähnt. Was ich schade finde. Nun gut, ich schweife ab…

Fortuna fand nach und nach besser ins Spiel und wurde schließlich auch belohnt. Kialka zum 0:1 (34. Minute). Die Aufstellung war eh ein wenig überraschend. Drei nominelle Stürmer, Montabell auf links (!?), Fink zum ersten Mal in der Startelf, kein Pagano. Macht nicht zwingend Mut, sah aber mit fortlaufender Spieldauer immer besser aus. Bis dahin war aber noch viel Krampf.

Und Glück. Denn Andre Poggenborg scheint sich an einer Kölner Torwartlegende orientieren zu wollen. Kurz vor der Pause rammte er im Strafraum seinen Gegenspieler schumacheresk um, daß Patrick Battiston wahrscheinlich nochmal um seine Jackett-Kronen gebangt hätte. Daß er mit nur gelb weiterspielen durfte, glücklich, glücklich, glücklich. mehr als glücklich. Daß der fällige Strafstoß für Düren am Pfosten landete, ein Wunder. Solche Momente lassen einen dann plötzlich daran glauben, daß sich Geschichte nicht wiederholt.

Nach der Pause war dann alles gelaufen. Schon nach wenigen Sekunden. Thomas Kraus (46. Minute), wer sonst. Mit jeder Minute, die davon tickte, stieg die Hoffnung. Die Sportfreunde steckten auf, das Spiel war durch. Der dritte Treffer durch Kialka (90. Minute), nehmen wir gerne mit. Trauma besiegt.

Was nun kommt ist egal. Hauptsache keine Asche. Obwohl, die kann Fortuna jetzt ja auch.

Was auffiel:

  • Harmonie. Die Mannschafte machte einen sehr geschlossenen Eindruck. Vielleicht kam mir das nur so vor, aber das ausgewechselte Spieler beim Verlassen des Platzes schon durch ein Spalier an ausgestreckten Händen zum Abklatschen laufen, finde ich klasse.
  • Gute Neuverpflichtungen: Kialka und Fink könnten der Schlüssel zu einer erfolgreichen Rückrunde sein.
  • Kraus. Macht sich. Ackert. Rennt. Bis zur Erschöpfung. Signalisierte kurz vor seiner Auswechslung, daß er am Ende sei. Und ich glaubte ihm sofort.
  • Der Torwart der Gastgeber. Heißt wirklich Denis Düren.

Am Samstag kommt Velbert.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Fink, Flottmann, Laux, Sievers – Zinke, Pospischil, Kessel (ab 70. Minute Batarilo) – Kraus (ab 82. Minute Schaaf), Montabell (ab 58. Minute Kühn), Kialka.

Spielberichte bei Rheinfussball, Radio Rur und beim Stadtanzeiger.

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