Anschreiben lassen

Es ist immer unangenehm, wenn der Verein nicht aus sportlichen Gründen in der Zeitung vorkommt. Anhänger der Kölner Fortuna kannten das zur Genüge. Daß die Thematik jetzt vor Ende der Saison wieder auf’s Tableau kommt ist unschön, aber sicherlich auch notwendig.

Hand hoch. Wer wußte, daß hinter der Fortuna mehrere Investoren (darf man Mini-Hopps sagen?) stehen? Mal ehrlich, die Frage, die man (jedenfalls ich) in den letzten Jahren am häufigsten gestellt bekam war immer: „Fortuna, sind das nicht die mit diesem Managerspiel?“ Ja, sind sie. Genauer, waren sie. Sind sie nicht mehr. Aber irgendwo muß die Kohle ja herkommen. Auch die Regionalliga finanziert sich nicht von selbst. Dafür brauch man andere Geldquellen. Sponsoren reichen da nicht aus. Gönner müssen her. Mäzene. Oder eben auf neudeutsch: Investoren.

Nun kommt der Stadtanzeiger also heute mit einem Artikel um die Ecke, daß sich das Investorenkosortium um Michael Schwetje zurückziehen möchte. Michael wer? Ja, genau, wird den meisten so gehen. Noch beim Spiel gegen Leverkusen II hatten wir uns in der Südkurve noch gefragt, wie denn derjenige heißt, der bei der Fortuna die Kohle reinsteckt. Denn immer nur auf Wernze zu zeigen, ohne im Hinterkopf zu haben, daß jemand anders, der weniger gern in der Öffentlichkeit steht, ist auch irgendwie peinlich.

Durchgekaut wurde die Problematik schon 2011 in einem Artikel auf zeit.de:

„Ein Geburtsfehler liegt darin, dass deinfussballclub.de nie ein Projekt aus der Fanszene war – sondern eine Geschäftsidee. Hauptinitiatoren waren der Internetunternehmer Stoeveken und der Rechtsanwalt Peter Josef Felden. Beide hielten zum Start je 40 Prozent an der deinfussballclub.de DFC GmbH. 20 Prozent gehörten der Investmentfirma von Michael Schwetje, millionenschwerer Gründer diverser Internetfirmen, unter anderem des Finanzportals OnVista.

Nach dem Ende des Basisdemokratie-Experiments ist Schwetje nun der mächtigste Mann bei Fortuna Köln. Beim Start des Projekts gründete die DFC GmbH mit dem S.C. Fortuna Köln e.V. eine Spielbetriebsgesellschaft, an der die Fortuna 51 Prozent hielt, DFC 49. Inzwischen hat Schwetje seinen Anteil an DFC von 20 auf gut 87 Prozent aufgestockt – und DFC wiederum hält nach mehreren Kapitelerhöhungen 99,78 Prozent an der Spielbetriebsgesellschaft, der e.V. nur noch 0,22 Prozent. Die Fortuna hat somit nur noch einen Bruchteil der Kapitalanteile, aber laut Vertrag weiterhin 50+1 Prozent der Stimmanteile in der Spielbetriebsgesellschaft. Der Verein hat sich Schwetje ausgeliefert. Ein dickes Paket – von Rechten an der Lizenzspielermannschaft über Fernseh- und Zuschauererlöse bis hin zu Markenrechten am Vereinslogo – hat der eingetragene Verein laut Handelsregister an Schwetjes DFC verkauft.“

Das liest sich, wenn man ehrlich ist, erstmal eher unangenehm. Sollte man allerdings wissen, wenn man sich als Lordsiegelbewahrer der Fußballtradition geriehrt. Man hat sich diesem Menschen mehr oder weniger ausgeliefert. Was bedeutet das also, wenn der keinen Lust mehr hat?

Nun, erstmal weniger Geld. Also auch weniger Gehalt für Spieler. Was bedeutet, daß man die besseren Spieler nicht wird halten können. Regionalliga ist Profifußball, auch wenn der schlechter bezahlt wird. Aber die Jungs machen nichts anderes neben her und müssen sehen, wo die Kohle herkommt. Insofern sollte man sich nicht unbedingt falsche Hoffnungen machen, daß Leistungsträger wie Fink, Kialka oder Pagano gehalten werden können.

Bedeutet aber auch: man sollte sich keine allzugroßen Hoffnungen auf Aufstiegschancen machen, denn die Finazierung einer Drittligasaison steht damit auch auf eher wackeligen Füßen. € 800.000 gibt es wohl grob gerechnet an TV-Geldern. Dazu hat sich Klaus U. schon vor dem Derby im letzten Jahr geäußert:

„Diese 800 000 Euro gehen ja schon fast für die ganzen Auswärtsfahrten drauf.“

Und wenn € 800.000 schon für Auswärtsfahrten draufgehen, wer bezahlt denn dann die Spieler?

Hinzu kommen die wirklich bescheuerten Auflagen, die von den Verbänden im Blick auf Stadionausbau/-umfang/-whatever den Vereinen aufbürden. Mal wirklich, glaubt irgendwer zu Viktoria oder Fortuna kommen mehr Zuschauer, wenn dort Drittligafußball gezeigt wird? Sicher, mehr Auswärtsfahrer. Aber sonst? Nee, Leute, da sollte man realistisch bleiben. Und dann macht es überhaupt keinen Sinn ein Stadion aufzuplustern, wenn eh niemand drin ist. Aachen sollte da Warnung genug sein.

Nein, nette Nachrichten sind das nicht. Man kann nur hoffen, daß die finanzielle Basis der Fortuna gesund ist und für Regionalligafußball weiterhin ausreicht. Aufstieg, gut, dürfte schwerer werden. Aber zum Beispiel gegen Uerdingen (stehen als Aufsteiger zur nächsten Saison fest) zu spielen hat doch auch was.

(…ja, ja, is‘ Schönreden, aber watt willste denn maache…)

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