Auswärtsspiel: „Nicht weit von uns im Westen, da liegt ein kleines Land…“ (Eredivisie: VVV Venlo – FC Groningen 0:0)

IMG_0036

Nein, es soll hier nicht um deutsch-niederländische Fußballfrotzeleien gehen. Venlo liegt mehr oder weniger um die Ecke und was liegt da näher als sich ein Spiel im Stadion „De Koel“ anzuschauen. Das alles noch bei strahlendem Sonnenschein (Sonnenbrand inklusive), macht summa summarum einen perfekten Sonntag.

Ich habe die Geschicke des VVV seit ca. 2 Jahren mit Interesse aus der Ferne verfolgt, seitdem mich mehrere japanische Bekannte mit ihrer Begeisterung für den kleinen Verein aus Limburg angesteckt hatten. Warum Japaner? Nun, der Präsident vom VVV hat beruflich Verbindungen nach fernost und so diverse Kontakte geknüpft. Das hat unter anderem dazu geführt, daß Nationalspieler wie Keisuke Honda oder Maya Yoshida in Venlo aufliefen. Und auch der aktuelle Kader stellt mit dem Ex-Mönchengladbacher Yuki Otsu und dem Halbnordiren Robert Cullen zwei japanischer Spieler. Das führt dann natürlich dazu, daß extrem viele Japaner ihre Landsleute spielen sehen wollen. Um die wird sich rührend gekümmert. Es gibt im Fanshop vor dem Stadion sogar eine eigene Kasse, in der japanische Schlachtenbummler ihre Tickets abholen können. Ohne Sprachbarriere, versteht sich natürlich.

Venlo ist eigentlich eine klassische Fahrstuhlmannschaft. Eigentlich zu schlecht für die Eredivisie, aber irgendwie ziehen sie immer den Kopf aus der Schlinge. 2009 ist man mal wieder aufgestiegen, sogar als Meister der zweiten Liga. Und seitdem schlägt man sich eben so durch. Ich habe aber irgendwie nicht den Eindruck, daß irgendjemand in Venlo deswegen größenwahnsinnig würde. Die Anhänger wissen, was sie für ein Verein sind (klein und eigentlich ohne Chance) und erfreuen sich eben jedes Jahr auf’s neue daran, daß sie erste Liga sehen dürfen. Vielleicht ganz gut am Video von der Aufstiegsfeier zu erkennen.

Ich hatte also mich mit einer japanischen Freundin vom japanischen VVV Fanclub verabredet, die mal wieder in den Niederlanden Urlaub machte und so freundlich war, mir vorab schon ein Ticket zu besorgen. €10 für einen Haupttribünenplatz, da kann wirklich niemand meckern.

Überhaupt, dieses Stadion. Eine Schönheit. Es macht seinem Namen wirklich alle Ehre. In eine Kuhle eingelassen findet man wenig Beton und dafür mehr Erde oder Wiese. Die Tribünen sind quasi in die Kuhle eingelassen. Leider gibt es Planungen ein neues Stadion zu bauen, aber „De Koel“ soll wenigstens für Spiele der Nachwuchsmannschaften erhalten bleiben und nicht angerissen werden.

Wir waren relativ früh vor Ort (man kann vom Bahnhof, den man von Köln aus in gemütlichen 1,5 Std via Mönchengladbach erreicht, in ca. 20 Minuten zu Fuß am Stadion sein) und waren deshalb so ziemlich die einzigen auf der Anlage. In Venlo kommt man wohl gerne etwas später zum Spiel. Dann aber in Massen. Ausverkauft war es nicht, aber für ein Spiel zwischen dem 17. (VVV) und dem 8. (FC Groningen) war der alte Kasten richtig gut besucht. Es dürften sicher 6-7.000 Zuschauer gewesen sein. Die Stimmung war trotz der sehr bescheidenen Tabellensituation der Hausherren (auch dieses Jahr geht es wieder in die Relegation gegen den Abstieg) sehr fröhlich und familiär. Viele Kinder, viele Familien, alles sehr freundlich und nett. Wie wir eben unsere Nachbarn so schätzen.

Das Spiel an sich hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Der VVV ist eben keine Übermannschaft. Aber beide Teams spielten aus einer soliden Defensive froh nach vorne und es gab Chancen en masse. Gleich in der ersten Minute hätte beispielsweise Venlo schon führen können.

Das es ein torloses Unentschieden gab lag vor allem auch am VVV-Schlußmann Niki Mäenpää, seines Zeichens finnischer Nationaltorwart. Da waren einige wirklich gute Paraden dabei. Auch hohe Bälle in den Strafraum bereiteten keine Probleme. Gefiel mir gut.

Ob der Nähe zu Deutschland gab es natürlich einen deutschen Spieler. Nils Röseler. Der wiederum kommt tatsächlich aus der Jugend von Twente. Sachen gibt’s. Fiel auch nicht negativ auf. Überhaupt, Venlo hat einen ziemlich jungen Kader, was sicherlich auch einige, kleinere Konzentrationsschwächen erklärt.

Ob das jetzt am Spiel, an Venlo oder an sonst was lag, weiß ich nicht, aber während der 90 Minuten kamen von den VVV-Stehplätze kaum Anfeuerungen. Wenn, dann allerdings sehr lautstark. Erinnerte mich dann doch ein wenig an das, was man soch aus dem Südstadion kennt. Nun gut, Charly Lownoise & Mental Theo hört man da zum Glück noch nicht.

Das störte aber auch irgendwie nicht und ich hatte auch nicht den Eindruck, als ob sich irgendwer mehr Stimmung gewünscht hätte. Bei VVV Chancen wurde gebrüllt, bei Fehlversuchen gestöhnt, bei gegnerischen Angriffen gelitten, bei Fehlentscheidungen geschimpft, wie es sich eben für ein Fußballpublikum gehört. Ein wohltuender Kontrast zum Ultra-Einheitsbrei in deutschen Stadien.

Im Endeffekt war das 0:0 völlig leistungsgerecht und wenn der VVV in der Relegation auch so spielt, dann sollte der Spruch „alles heej blief Eredivisie“ auch wieder seine Berechtigung haben. Der Rückweg zum Bahnhof führte durch ein Heer an Fahrrädern (einige Klischees sind einfach nicht totzukriegen) und während ich im Zug meine Einkäufe betrachtete, war ich mir sicher, daß ich irgendwann wieder ins „De Koel“ zurück will. Allein schon wegen der leckeren Fritjes, die ich dieses Mal nicht probiert habe.

Alles heej is VVV!

(…halte ich übrigens für eine der gelungeneren Vereinshymnen…)

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s