Ze crazee German coach is very limited wizz ze English – Jürgen Klopp im Guardian

Jürgen Klopp, seines Zeichens Trainer von Borussia Dortmund, hat ein Interview gegeben. Dem Guardian. Wichtige Zeitung. Aus England. Über so was spricht man. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Denn während man durchaus den komischen Verweis auf den Sponsor am Ende hätte breit treten können, hing sich der eine Teil Fußballdeutschlands, der vornehmlich der regionalen Geschichte eines Fußballvereins aus dem Voralpenland anhängt, an einer einzigen Stelle auf. Und die lautet wie folgt:

„Klopp has previously compared Bayern to a remorseless superpower like China but he waves away that reminder. „I was tired,“ he smiles. „Bayern want a decade of success like Barça. That’s OK if you have the money because it increases the possibility of success. But it’s not guaranteed. We are not a supermarket but they want our players because they know we cannot pay them the same money. It could not be our way to do things like Real and Bayern and not think about taxes – and let the next generation pick up our problems. We need to work seriously and sensibly. We have this amount of money so we can pay that amount. But we lose players. Last year it was Shinji Kagawa.“

Ganz ehrlich? Wo ist das Problem. „Taxes“? Steuern? Geht man einem im Bayernlager immer noch der Arsch auf Grundeis, wenn irgendwo von Abgaben an den Staat gesprochen wird? Kann man wirklich aus der Stelle herauslesen, daß Klopp den Bayern ans Bein pinkeln will?

Wo fange ich an? Vielleicht damit, darauf hinzuweisen, daß dieses Interview vor holprigem Englisch seitens des Interviewten nur so strotzt. Mein Vater, seines Zeichens pensionierter Englischlehrer eines altehrwürdigen Gymnasiums, hätte seine helle Freude daran, daß zu zerpflücken (Note to myself: meinem Vater das Interview zeigen). Klopp kann nur sehr limitiert Englisch. Das sollte man wissen. Das kann man bei seinem Champions League PKs raushören. Oder hier. Warum ist das von Belang? Weil in angloamerikanischen Medien genau das aufgeschrieben wird, was der Interviewte gesagt hat. Mit allen grammatikalischen Holperern und Vokabelfehlern. Weder wird irgendetwas geglättet, noch wird etwas autorisiert oder vom Interviewten (oder seinen Repräsentanten) korrigiert oder geschönt. Es zählt das gesprochene Wort. Zum Glück.

Was sagt er denn nun? Er wird auf den China-Kopie-Vergleich angesprochen und sagt, daß Bayern gerne eine Dekade lang Erfolg hätte, was mit dem nötigen Kleingeld wahrscheinlicher wird. (Himmel, muß ich das wirklich übersetzen?) Er redet dann darüber, daß Bayern sich bei Dortmund bedient, sie aber kein Supermarkt seien, der BVB aber nicht soviel bezahlen kann, wie Bayern. Und dann kommt die entscheidende Stelle:

„It could not be our way to do things like Real and Bayern and not think about taxes – and let the next generation pick up our problems.“

Nochmal? Gut.

„It could not be our way to do things like Real and Bayern and not think about taxes – and let the next generation pick up our problems.“

Sag mal, hat eigentlich irgendjemand nach der Stelle weitergelesen? Taxes! Skandal! Aber sich dann darüber aufregen, daß Boulevardmedien alles immer nur verkürzt und auf schmissige Überschriften reduziert wiedergeben. Okay, zum mitschreiben: Er sagt, daß Dortmund nicht so verfahren kann wie Bayern (oder Real), wie er es in den Sätzen davor beschrieben hat. Nämlich anderen Vereinen die Spieler ständig mit viel Geld wegzukaufen (was er für den Fall Reus für Dortmund ja auch zugibt). Denn, und jetzt kommt’s, sie (vulgo: der BVB) können die Kosten für solche Aktionen eben nicht der nächsten Generation aufbürden (wie es Niebaum und Co. gemacht haben). Schlüssiger sogar noch, durch das, was er danach sagt:

„We need to work seriously and sensibly. We have this amount of money so we can pay that amount. But we lose players. Last year it was Shinji Kagawa.“

Klingelt’s? Wir müssen verantwortunsgvoll arbeiten (ich paraphrasiere, es sei mir verziehen). Wir haben Betrag x und können nur den Betrag bezahlen. Den Rest versteht hoffentlich jeder selbst.

Leute, wenn ihr euch schon über Dinge aufregen wollt, dann sucht euch vernünftige Anlässe und nicht so einen Kleinkram, den ihr durch eure limitierten Fremdsprachenkenntnisse zur Staatsaffäre aufblast.

Ich fasse zusammen. Der Mann kann kein vernünftiges Englisch. Er benutzt eine Vokabel, die in diesem Zusammenhang nicht paßt. Hätte er „consequences“ oder „mortage“ oder auch einfach nur „cost“ gesagt, niemand hätte irgendwas bemerkt. Aber weil ein Präsident aus dem Süden Millionen auf ein Schweizer Konto schafft, dreht der apologetische Anhang komplett durch.

Also, Kontext heißt das Zauberwort. Beim nächsten Mal einfach genauer hinschauen.

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