POKALSIEGER, VERDAMMT!!! (FVM-Pokalfinale Alemannia Aachen – Fortuna Köln 1:2)

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Ich bin, nicht nur was meine Stimmbänder betrifft, immer noch sprachlos. Was für ein Abend. Was für eine Achterbahn. Von himmelhochjauchzend nach zu Tode betrübt und gleich wieder zurück. Kann mich mal jemand kneifen? POKALSIEGER, VERDAMMT!!!

Die besten Erlebnisse im Bezug auf Fußball entstehen ja zumeist spontan und ich war mir bis Anfang dieser Woche gar nicht sicher, ob ich es überhaupt nach Bonn schaffen würde. Aber irgendwann steht so was dann eben au8ch fest, und dann fährt man halt los. Und weil ich naives Bürschchen davon ausging, locker in Bonn am Bahnhof anzukommen und dann per Straßenbahn zum Stadion zu fahren, … Pustekuchen. Nix ging mehr. Aber da stand ja ein Sonderbus. Mit Aufschrift „Nordpark“. Und auf meine Frage, ob der denn bis zum Stadion fahren würde, sagte der nette Herr in Grün „ja sicher“. Flugs rein und nur Sekunden später wird das Ding von einer Horde Aachener gestürmt. Yours truly auf Feindfahrt als Spion in einem Fahrzeug mit dem Widerlichsten und Abscheulichsten, was man sich in Sachen „Fankultur“ so ausmalen kann. „Ajax ist ein Judenclub“ klingt mir heute noch in der Ohren. Ich war heilfroh, daß ich auf jegliche Art von Merchandise am Körper verzichtet hatte, die hätten mich sonst ungespitzt in den Boden gerammt. Man mag sich mit den Aachener Anhängern differenziert auseinandersetzen wollen, ich kann das seit gestern nicht mehr. Scheiß Nazis, die vom Gros der anderen mitgereisten Fans völlig toleriert wurden. Bitter.

Die „fröhliche Fahrt endete dann mit etwas Distanz zum Stadion, als im Bus eine Scheibe entglast wurde. Fußmarsch bis zur Fortuna-Kurve locker eine halbe Stunde. Was war ich froh endlich wieder normale Menschen zu sehen. Gut, Hochkultur sieht auch in rot-weiß anders aus, aber die Anspannung ein paar auf’s Maul zu bekommen wich dem Gefühl der Sicherheit und der Vorfreude auf das Spiel. Vom Fanbeauftragten eine Karte bekommen und ab rein. Und was für ein schönes Teil haben sie da in Bonn stehen. Ich bin immer noch begeistert. Ein würdiger Endspielort.

30 Minuten vor Anpfiff war die Stimmung im Block schon am Überkochen, während der Aachener Anhang auf der Gegengerade im Regen stehen durfte. Kein Mitleid.

Vom Anpfiff weg versuchte die Fortuna das Spiel an sich und die Zuschauer mitzureißen. Das gelang. Kraus, wer sonst, mit der Führung (19. Minute). Überbordender Jubel.

Dann die alten Verhaltensmuster ab Mitte der zweiten Halbzeit. Zu zaghaft, Konter werden nicht konsequent ausgespielt. Kialka bringt mich mit unnötigen Ballverlusten zur Weißglut. Trotzdem sich Chancen da. Werden aber liegengelassen.

Halbzeit. Wo sind meine Zigaretten? Schon leer? verdammt. Nächste Packung. Um mich herum zaghaft zuversichtliche Gesichter. Dieses Mal? Dieses Jahr? Wäre super. Aber noch 45 Minuten.

Aachen kommt druckvoll aus der Kabine. Fortuna stellt sich immer mehr hinten rein und verläßt sich auf Konter. Nottbeck hat die Chance alles klar zu machen und vergibt. Die Gesichter auf den Rängen nach dem Fehlschuß. Unbeschreiblich.

Aachen gleicht aus (78. Minute). Niedergeschlagenheit. Kurz. Dann wieder lautstarkes Nachvornepeitschen. Und es wird belohnt. Chaos in der Aachener Abwehr, Fink kriegt den Ball an der Strafraumgrenze. Zieht ab. Der Ball wird abgefälscht. Trudelt, taumelt, schwebt. In die linke Torecke. T-or-e-c-k-e! TOR! Verdammt (80. Minute)!!!

Ab da dann nur noch eine einzige Mischung aus Nägelkauen, eine Zigarette nach der anderen, banges auf die Uhr schauen, sich die Seele aus dem Leib schreien, zittern, bangen, hoffen.

Und dann, dann ist Schluß. Aus. Feierabend. Fortuna ist Pokalsieger.

Was dann leider folgt, kann man hier sehen:

Diese Dreckspack ist in Aachen, und insofern relativiere ich mich meine Aussage, die ich eingangs zum Aachener Anhang gemacht habe, auch nicht gern gesehen. Aber es drängt sich nun mal leider immer ins Rampenlicht und zerstört so alles, was man dem Verein an Sympathien entgegenbringen könnte. Es ist vor allem traurig, wenn man dann im Fortuna Forum so etwas liest:

„Eigentlich schreib ich nicht in den Foren fremder Vereine, aber nach gestern Abend halte ich das für notwendig!
Glückwunsch an euch und eure Mannschaft. Ihr hattet das Glück (abgefälschter Schuss, als ihr eigentlich am Boden lagt) zum (für euch) richtigen Zeitpunkt!

Zu dem was dann kam: Ohne Worte! Sorry! Und noch einmal Danke! Diesmal für die Nazis raus-Chöre! Auch wenn dies bei euch nicht ankam, sie wurden von Teilen der Aachener aufgegriffen. Leider von zu wenigen!“

Man kann, ganz ernsthaft, der Alemannia nur wünschen, daß sie dieses Problem in den Griff bekommt. Gerade für die Fans wie diesen Kommentarschreiber. Oder die Jungs, die mit im gleichen Bus zurück zu Bahnhof fuhren. Verbale Kebbeleien durch Gesänge, alles harmlos. So sollte das doch sein.

Für mich war der Rest des Abends ein einziges Schweben. Nettes Ausklingen in einer Bonner Kneipe, den letzten Rest der noch verbliebenen Stimmbänder ruinieren. nach Hause fahren und am nächsten Morgen mit der Gewissheit aufwachen, daß die Mannschaft den Lohn für eine überragende Saison eingefahren hat.

Was für ein Abend. Unvergeßlich.

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