Kein Fußball für Faschisten

Die beschissene Aktion, den Mülltonnen antifaschistische Banner zu untersagen, verlangt einfach nach einem gesonderten Eintrag. Ich bin auf 180. Seit gestern. Und davon komm‘ ich auch so schnell nicht runter.

Kurz zur Vorgeschichte. Das in Aachen einiges falsch läuft, wissen wir alle nicht erst seit gestern. Das Nazipack der K*rlsb*nde darf sich dort mehr oder weniger ungestört austoben. Seit dem Pokalendspiel im Juni gibt es auch eine Vorgeschichte mit der Fortuna. Stichwort Platzsturm durch Aachener Idioten.

Nun kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen und die geistigen Tiefflieger im Verein Fortuna Köln haben nichts besseres zu tun, als vor dem Faschodreck zu kuschen und den eigenen Anhängern eine klare Meinungsäußerung zu untersagen. Ich schäme mich und fühle mich persönlich angegangen.

Vielleicht erstmal das Statement des betroffenen SC Mülltonn‘:

Seit 1998 finden sich unter dem Label des SC Mülltonn die verschiedensten Jecken zusammen, um gemeinsam Spiele des SC Fortuna Köln zu verfolgen und die Mannschaft aus der Südstadt lautstark zu unterstützen. Öffentliche Statements zu vereins- oder fanpolitischen Anliegen hat man in dieser Zeit von uns nicht vernommen. Am heutigen Tag aber halten wir es für nötig, uns einmal öffentlich zu erklären. Die Beweggründe hierfür möchten wir euch nun kurz darlegen:

Am Freitag den 26. Juli 2013 eröffnet die glorreiche Fortuna im Kölner Südstadion die Saison der Regionalliga West gegen Alemannia Aachen. Ein Spiel mit viel Brisanz und das nicht etwa, weil beide Mannschaften souverän die ewige Tabelle der 2. Bundesliga mit 26 bzw. 28 Spielzeiten anführen. Vor wenigen Wochen hat die Fortuna das Mittelrhein-Pokalfinale gegen Aachen gewonnen und sich somit für die erste Runde des DFB-Pokals qualifiziert. Aufgrund eines Aachener Platzsturms wird uns dieser Abend jedoch noch länger mit einen faden Beigeschmack in Erinnerung bleiben. Auf die Entwicklungen in der Fanszene der Alemannia möchten wir an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen, diese sind schließlich ausführlich in zahlreichen Presseartikel dokumentiert. Die Konsequenz dieser Vorkommnisse ist jedoch, dass uns als Fanclub einen Tag vor dem ersten Saisonspiel mehrere Banner, welche seit vielen Jahren den Fanbereich der Fortuna schmücken, vom Verein untersagt wurden.

Man hat uns mitgeteilt, dass antirassistische Aussagen jeder Form unerwünscht sind, „jegliche Fahnen, die auf evtl. politische Gesinnung abzielen, sind am Spieltag untersagt“, man wolle schließlich nicht provozieren, sondern ein „friedliches Fußballfest feiern“. Konkret geht es hierbei um zwei Banner mit der Aufschrift „Kein Fußball den Faschisten“ und „Fight Racism“. Eine Aussage, die in ähnlicher und teils viel deutlicherer Form regelmäßig von PolitikerInnen eigentlich jeder Kölner Ratsfraktionen getätigt wird, wenn es z.B. um die rechtsextreme Gruppierung „pro Köln“ geht. Das sind Statements, die unserer Meinung nach nichts mit „politischer Gesinnung“, sondern mit einem gesunden Grundverständnis zu tun haben sollten, eine Basisbanalität, welche wir keineswegs zur Diskussion stellen möchten.

Gerade bei diesem Spiel und besonders nach den Vorkommnissen in Bonn und den verbalen Attacken Aachener Neonazis gegen unseren Fanclub im Vorfeld der Begegnung, hätte es auch Fortuna Köln einmal gut zu Gesicht gestanden deutlich gegen diskriminierende Verhaltensweisen Stellung zu beziehen. Keineswegs nachvollziehen können wir die Reaktion des Vereins, antirassistischen Fans ihre Meinungsäußerung zu untersagen, weil diese als Provokation aufgefasst werden könnte. Das Ganze wird zusätzlich ad absurdum geführt, wenn man bedenkt, dass vor dem Spiel die Saisoneröffnung des Fußball-Verbands Mittelrhein inklusive zahlreicher Prominenz und der Kampagne ‚Respect‘ stattfindet. Wie passen Mannschaften und Verbandsfunktionäre, die sich mit Fahnen und Wortbeiträgen gegen jegliche Diskriminierung im Mittelkreis positionieren, zum Verbot antirassistischer Banner, welche in ähnlicher Form sogar von DFB und UEFA mit Preisen prämiert werden? In unseren Reihen trifft ein derartiges Vorgehen jedenfalls auf völliges Unverständnis und wir würden uns sehr freuen
wenn die Verantwortlichen uns die dahinter stehende Logik einmal in Ruhe erklären würden. Wir möchten nicht, dass die Mannschaft der Fortuna zum Saisonstart von derartigen Nebenkriegsschauplätzen beeinträchtigt wird, sehen nach dem Spiel jedoch erhöhten Gesprächsbedarf.

Kein Fußball den Faschisten! Fight Racism! | SC Mülltonn 1998 am 26. Juli 2013

Das ist, mit Verlaub, harter Tobak. Das ist, um es deutlich zu sagen, eine Riesensauerei. Seit Ewigkeiten setzen sich korrekte Fanszenen mit der Problematik Faschismus und Rassismus auseinander, engagieren sich, beziehen Stellung. Seit Ewigkeiten muß man von widerlichen Ereignissen lesen, beispielsweise in Dortmund. Seit Ewigkeiten heißt es nach diesen Ereignissen immer wieder, daß man etwas unternehmen müsse. Und dann werden runde Tische gebildet, Ausschüsse und sonstiger unnützer Kappes und es passiert nichts. Außer, daß an die Kurven und Fanclubs appeliert wird, sich zu engagieren, … wir drehen uns im Kreis.

Und dann, dann gibt es tatsächlich Fans, die Farbe bekennen wollen. Die ein Zeichen setzen wollen. Die zeigen wollen, daß sie sich nicht alles gefallen lassen. Und die werden dann vom eigenen Verein in die Schranken gewiesen. Aus Angst vor Ausschreitungen. Unvorstellbar. Eine Frechheit. Ich hab echt probleme, meinen Blutdruck zu kontrollieren.

Fortuna war (und ist hoffentlich immer noch) ein Verein, der für Toleranz, Offenheit und ein freidliches Miteinander steht. In den Jugendmannschaften spielen Kinder und Jugendliche aus aller Herren Länder. Einige der größten Fortuna-Legenden haben ihre Wurzeln in anderen Kulturen. Für all diese Menschen ist es ein Schlag ins Gesicht, daß den eigenen Anhängern verboten wird, gegen die braune Scheiße Stellung zu beziehen. Ich frage mich, wie sich ein Thiemo-­Jérôme Kialka fühlen muß, wenn er so etwas mitbekommt? Wie findet Kusi Kwame so eine Aktion? Wie denkt Ozan Yilmaz darüber, daß seine Vereinsführung vor solchen Leuten den Schwanz einzieht? Wie erklärt der Verein Fortuna Köln eigentlich den korrekten Aachener Anhängern, die den Nazidreck in ihren eigenen Reihen genauso zum Kotzen finden wie ich, daß man sich dagegen entscheidet, klar Stellung zu beziehen? Als Aachener würde ich mir auch ein wenig verarscht vorkommen.

Es ist gut und richtig, daß diese Thematik von überregionalen Medien aufgegriffen wird (Spiegel, Welt). Es führt hoffentlich dazu, daß der Verein dermaßen in die Enge getrieben wird, daß er sich zu dem Thema äußern muß. Den dieses Schweigen zu diesem Vorfall ist einfach nur erdrückend.

Ich bin ehrlich, ich habe mich auf diese Saison gefreut. Diese Freude ist komplett weg. Ersetzt wird sie durch Scham, Verärgerung, Wut. Ich habe wirklich nur noch wenig Lust, mir weitere Spiele anzusehen. Das sind Vorfälle, die ich wirklich nicht tolerieren kann. Und das sage ich, obwohl ich mir diese Saison zum ersten Mal eine Dauerkarte gekauft habe.

Wahrscheinlich werde ich letztendlich doch keinen Boykott starten, dazu fehlt mir vielleicht doch die Kosequenz. Denn diejenigen, die ich damit am meisten treffen würde, können ja nichts dafür. Die Spieler.

Aber: Ich erwarte Konsequenzen. Ich will wissen, wer das angeordnet hat. Und derjenige, der dafür verantwortlich ist, soll sich erklären und mir schlüssig begründen, warum er sich diesen Schwachsinn ausgedacht hat. Er soll vor allem den Spielern, den Jugendmannschaften, den Vereinsmitgliedern, der ganzen Stadt, schlüssig begründen, warum er sich dafür entschieden hat, die eigenen Anhänger bloßzustellen. Und ich bin mir sicher, er wird es nicht können. Es schlüssig erklären. Und daraus sollte er seine Konsequenzen ziehen.

Ich erwarte außerdem, daß die Banner, um die es geht, von heute an bei jedem Heimspiel, am Zaun hängen. Was eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Ich bin, um es nochmal zu sagen, stocksauer.

[Update, 27.07.2013 20:41]
Meine Laune hebt sich nach diesem Artikel im Stadtanzeiger nicht wirklich. Ulonska ist ein toller Typ und ohne den wäre der Verein wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Aber leider sollte er ab und an einfach mal überlegen, was er sagt. Es ist einfach nur noch peinlich.

[Update 29.07.2013 11:40]
Es gibt immer noch keine offizielle Äußerung des Vereins, keine Entschuldigung, keine Stellungnahme. Beschämend. Dafür hat sich BAFF geäußert und im Müngersdorfer Stadion gab es gestern beim Derby gegen Düsseldorf ein Solidaritätsbanner der EffZeh-Fans.

[Update 29.07.2013 11:52]

Im Fortuna Fanforum findet sich dann doch noch so etwas wie eine Stellungnahme. Der Präsident höchstselbst:

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,
liebe Freundinnen, liebe Freunde der Fortuna,

auch wenn wir gegen die Alemannia aus Aachen verloren haben, so war der vergangene Freitag mit der feierlichen und gelungenen Eröffnung durch den WFLV ein großer Fortuna-Tag!

Schon toll, dass 4500 Besucher den Weg in unsere gemütliche „Fortuna-Arena“ gefunden haben – einfach eine Superkulisse, die Lust auf Dauerhaftigkeit macht!

Schade nur, dass gewisse Aktionen eines sehr kleinen Kreises unsere geliebte Fortuna ins falsche Licht gerückt haben!

Jeder der die Fortuna kennt weiß, dass „bei uns“ Multi-Kulti zuhause ist!

Das allein war der Grund, warum ich vor knapp 9 Jahren den Weg zu diesem Kult- und Traditionsverein gefunden habe!

Es mag sein, dass der Geschäftsführung und den Verantwortlichen – gut gemeinte Fehler unterlaufen sind, und darum wird dieses Thema intern entsprechend positiv behandelt werden!

Im Interesse des „Gesamtunternehmen Fortuna“ bitte ich Sie „Alle“ nunmehr, Ihr Augenmerk nur noch auf das Pokalspiel gegen Mainz am kommenden Samstag zu richten!

„Wir“ – und das sind Sie – brauchen Erfolg, und den gibt es nur im „Gesamtpaket“!

An dieser Stelle danke ich unendlich vielen Freunden und Freundinnen, die mir mit Mails, SMS, Anrufen etc Ihre Verbundenheit gezeigt haben!

„Das“ hat gut getan!

Ihr Klaus Ulonska
Präsident

Ganz ehrlich? Schwach. Lächerlich. Erbärmlich. Armselig. Lieber Präsident, das kannst du nicht ernst meinen. „Schade nur, dass gewisse Aktionen eines sehr kleinen Kreises unsere geliebte Fortuna ins falsche Licht gerückt haben!“ Aktionen eines sehr kleinen Kreises? Wenn damit die Mülltonnen gemeint sein sollten, die durch ihre Erklärung das einzig richtige gemacht haben (nämlich diese unglaublich bescheurte, peinliche und unnötige Entscheidung öffentlich zu machen), dann wird die Sache durch dieses Statement nur noch schlimmer und zeigt, daß du nichts, aber auch gar nichts verstanden hast. Nicht die Mülltonnen sind für diesen Schlamassel verantwortlich, sondern die Tiefflieger, die sich dieses Bannerverbot ausgedacht haben. In diesem Sinne, ich warte immer noch. Wenigstens auf eine Entschuldigung. Und sauer bin ich auch noch!

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