Fader Beigeschmack (Fortuna Köln – SG Wattenscheid 09 2:1)

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Nach 4 Auswärtspunkten in zwei Spielen kehrte die Fortuna ins Südstadion zurück, um gegen den schlecht in die Saison gestarteten Aufsteiger aus Wattenscheid zu spielen. Und ich … durfte arbeiten. Manchmal isses aber auch schwer.

Ich hatte den Termin überhaupt nicht auf dem Schirm (Sonntagsspiele sind ja eher selten) und so war ich dann doch ein wenig gefrustet, weil mein Dienst um 14:30 enden sollte, daß Spiel aber auf 14:00 Anstoßzeit terminiert war. Nun gut, kannste nix machen. Da kommen dann die Vorzüge einer stadionnahen Wohnung ins Kalkül. Wenn ich, nur mal angenommen, pünktlich aus der Maloche rauskomme, dann kann ich, pi mal Daumen, vielleicht, also mit Glück … letztendlich kam ich genau mit dem Schlußpfiff zur ersten Hälfte rein. Auf dem Weg ins Stadion hatte mich mein mobiles Endgerät schon darüber informiert, daß im Spiel wohl einiges los war. Die Fortuna aber auch 0:1 zurück lag. Na toll.

Es ist schon etwas komisch zu einem Spiel verspätet anzureisen. Normalerweise bin ich immer vor Anpfiff im Stadion, sehe die Leute hereinströmen (heute strömte nur der Regen, deswegen waren auch nur etwas mehr als 1.000 Zuschauer im Rund), schaue den Menschen beim Fahnen aufhängen zu. Aber dieses Mal hetzte ich die Straße hoch, am Tor hinter der Südkurve vorbei, wo einige Versprengte, die entweder nicht rein wollten oder nicht rein durften, Stellung bezogen hatten, zum Eingang Mitte. Wieder kein Kartenlochgerät. Wird langsam zu Running Gag.

Zum ersten Durchgang kann ich verständlichweise nichts sagen. Zu Hälfte zwei kam Ercan Aydogmus, der von einigen Anwesenden mehr als freundlich empfangen wurde – Publikumsliebling in the making – und von Koschinat vor Anstoß nochmal sehr genau eingewiesen wurde. Genauso wie Batarilo, der auf rechts zum Zug kommen sollte.

Alles in allem ein sehr zerfahrenes Spiel, das doch sehr unter den Bedingungen litt. Viele versprungene Bälle, viele auf dem Rasen liegende Spieler, weil das Schuhwerk einen festeren Stand nicht erlaubte. Aber ab und an mal schöne Spielzüge. Und einer führte dann tatsächlich zum Kölner Ausgleich. Besagter Aydogmus, der vorher schon ein paar nette, wenn auch etwas unglückliche Szenen hatte, wühlte sich im Strafraum an die Kugel, schüttelte eine Horde Gegenspieler ab und vollendete mit einem satten – sehr satten! – Schuß in die lange Ecke. Da war das Wetter dann auch egal.

Der Treffer schien die Anspannung etwas zu nehmen, die Fortuna wurde immer sicherer und wenig später war Kessel auf links durch und zog in den Strafraum. Und ließ sich fallen. Und der Schiedsrichter pfiff. Eine Schwalbe. Eine extrem klare Schwalbe. Ich stand genau so, daß ich sehen konnte, daß es keinen Kontakt gab. Kessel hob ab, der Unparteiische pfiff. Und während sich um mich herum die Menschen freuten (und richtigerweise „den wollter aber haben“ sagten), wäre ich am liebsten vor Scham im Boden versunken. So etwas macht keinen Spaß. Ich möchte, daß die Fortuna ihre Spiele ehrlich gewinnt. Ohne Schummeleien. Kessel ist so ein Spezialist, der sich im Strafraum gerne mal einen Schwächeanfall gönnt. Das gefällt mir nicht. Aber ich pfeife ja nicht das Spiel. Und so gab es Elfmeter, den Ozan Yilmaz zur 2:1 Führung in die Maschen setzte.

So zufriedengestellt erprobte das Südstadion wieder die Wechselgesänge zwischen Stehplätzen und Tribüne. Und der Wattenscheider Anhang wollte mitmachen. Aber mehr als irgendwelchen homophoben Krakeelereien fiel ihm nicht ein. Das allerdings, und das wiederum fand ich extrem cool, brachte das Mädchen vor mir … wie alt wird die gewesen sein? 12? 14? … das bis dahin die ganze Zeit nur auf seinem mobilen Endgerät herumgetippt hatte, dazu eiskalt den Arm zu heben und der Gästekurve den Mittelfinger zu zeigen. Lässig. Eine unglaublich coole Aktion.

Alles in allem ein durch die Gegebenheiten ungewohnt kurzer, aber doch unterhaltsamer Aufenthalt im Südstadion. Nur beim nächsten Mal bitte ohne regelwidrige Schauspieleinlagen, Herr Kessel.

Beim Rheinfussball (Noten) sah man vor allen Dingen Aydogmus als den Matchwinner, vernachlässigt allerdings etwas die Situation vor dem Elfmeter. FuPa.net macht’s ähnlich. Der Express wie man ihn kennt. Kurz angebunden. Der Lokalkompass sah eine unglückliche Wattenscheider Niederlage und übt Nachsicht bei der Elferszene. Genauso wie bei derwesten.de. Die Ruhrnachrichten sahen in der zweiten Halbzeit ein „Feuerwerk der Hausherren und klopfen dem Aufsteiger anerkennend auf die Schulter.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Fink, Laux (ab 46. Minute Batarilo), Flottmann, Sievers – Zinke, Hörnig, Yilmaz, Kessel – Kialka (ab 46. Minute Aydogmus), Kraus (ab 84. Minute Brill).

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