Zwei Minuten für Ercan (Fortuna Köln – 1.FC Köln U23 5:0)

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Es gibt würdigere Rahmen für ein Derby. Auch wenn es ein kleines war. Es gibt aber auch weniger entspannte Nachmittage. An denen man z.B. um drei Punkte zittern muß. Das war am Samstag sicher nicht der Fall.

Das kleine Derby gegen die Effzeh-Bubis ist eigentlich immer was nettes. Ein wenig Lokalkolorit, so ein kleines bißchen Rivalität. Aber eben nicht the real deal. Weil es eben nur die Bubis sind. Und trotzdem hatte ich eigentlich mit etwas mehr Besucherzuspruch gerechnet, weil die großen ja schon am Tag vorher ihr Spiel hatten. Es waren dann auch über 1.600 Leute da, nur irgendwie habe ich die gar nicht richtig wahrgenommen. Waren die Plätze in Richtung Gästekurve auf Stehplatz Mitte belegt? Wurscht.

Denn das Spiel war ansprechend. Und zwar von Seiten der Fortuna. Der Effzeh verlegte sich auf’s Abwarten. Sei ihnen gegönnt. Schließlich lief es zuletzt ja nicht wirklich überragend. Aber eben auch nicht wirklich schlecht. Jedenfalls besser, als in der letzten Saison. Und so kamen die Hausherren zu einigen, die Gäste zu einer Chance und eigentlich wäre man ohne Tore in die Kabine gegangen. Wenn nicht kurz vor dem Halbzeitpfiff Oliver Laux per Kopf die völlig verdiente Führung erzielt hätte (45. Minute).

Völlig verdient deshalb, weil vom Effzeh, außer sporadischen Konterversuchen, rein gar nichts kam. Es hatte tatsächlich etwas von Männer gegen Jungs. Die Bubis wirkten zurückhaltend, verschreckt, ängstlich. Fortuna hingegen selbstbewußt, leicht, druckvoll.

Trotzdem konnte Koschinat mit der Chancenverwertung nicht zufrieden sein. Stelle ich mir jedenfalls so vor. Und deswegen kamen die Spieler auch genauso angriffslustig aus der Kabine, wie sie vor dem Wechsel gespielt hatten. Der Effzeh wollte jetzt auch ein bißchen mitmachen und kam zu ein, zwei gefährlich Situationen. Bis er völlig auseinanderfiel.

Der kurz nach der Pause eingewechselte Tobias Steffen sorgte über links schon für einigen Alarm. Und dann rief Koschinat (der übrigens den ganzen Nachmittag extrem lautstark dirigierte), für auf Mitte Stehenden gut hörbar, in Richtung Auswechselspieler „Ercan, zwei Minuten!“. Und der Mob tobte. Der Angesprochene kam für Kraus. And the rest is history, wie man so schön sagt.

Sofort war wesentlich mehr Zug drin und die Tore fielen wie von selbst. Steffen (68. Minute/75. Minute), Aydogmus selber auch gleich zweimal (75. Minute/86. Minute). Und damit war das Ding dann auch durch.

Aydogmus ist echt unbeschreiblich. Da wuchtet sich bei der Einwechslung ein hüftsteifer Tanzbär auf den Platz, von dem wahrscheinlich jeder Gegner denkt, daß der allerhöchstens einen Radius von drei Bierdeckeln hat. Und dann überrollt der eine Abwehr im Alleingang. Die erste Aktion war sofort ein typisches Beispiel. Aydogmus wird über links geschickt, kaum einer rückt nach. Jeder andere Spieler hätte den Ball abgesichert, nach hinten zurückgegeben und sich dann in die Spitze orientiert. Was macht Ercan? Zieht weiter nach links, pielt den Strafraum an, wird in der linken Ecke des Strafraums gestellt … und vernascht zwei Gegenspieler, steht blank und zieht ab (für’s Protokoll, war kein Tor). Eine Naturgewalt.

Aber auch der Rest der Mannschaft wußte zu überzeugen. Sonderlob an Ozan Yilmaz, der wirklich überall zu finden war, und sich so langsam in eine Spielmacherrolle zu zocken scheint. Die Abwehr auch umsichtig und mit wesentlich weniger Wacklern als zuletzt. Wenn auch natürlich kaum gefordert von einer wirklich erschreckend schwachen Effzeh-Reserve, die in dieser Verfassung nichts in der Regionalliga zu suchen hat und auch für den Profibereich keine Alternativen bietet.

Die Fortuna allerdings scheint in diesem Zustand für das kommende Heimspiel gegen Lotte gut gerüstet zu sein. Das dürfte ein echtes Fußballfest werden. Freu‘ ich mich schon drauf. (Vorher aber erstmal gegen RWE, ich weiß…)

Der Stadtanzeiger sah gedemütigte Jungböcke, die von der Fortuna zerlegt wurden. Beim Express gibt’s sogar bewegte Bilder. Auch Radio Köln hat was, genauso wie die Welt. Der Rheinfussball hebt die Bedeutung der Fortuna-Bank heraus (mit einigen schönen Wortspielen), und verteilt völlig zurecht dreimal die Note 1.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Pazurek, Laux, Flottmann, Sievers – Kessel (ab 74. Minute Batarilo), Zinke, Andersen, Yilmaz – Kraus (ab 63. Minute Aydogmus), Kialka (ab 53. Minute Steffen)

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