Langeweile

Aus. Vorbei. Entschieden. Nach dem Spiel gestern dürften mehrere Dinge klargestellt sein.

Was ist passiert? Nun, die deutschlandweit – europaweit. weltwelt. – beste Mannschaft hat gestern eine andere ziemlich gute Mannschaft besiegt. Deutlich. Mit mehreren Toren Unterschied. Daß die eine Mannschaft, die etwas weniger gut ist, erheblich verletzungsgeschwächt war … geschenkt. Es war ein schönes Spiel. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

Oder doch? Es gingen nach dem Spiel in sozialen Netzwerken Thesen herum, die eine Langweiligkeit der Bundesliga für die nächsten Jahre beschworen. Und von anderen Leuten (meist Anhänger des deutschlandweit – europaweit. weltwelt. – besten Teams) heftigst dementiert wurden. Bestritten wurden. Nein. Falsch. Völlig aus der Luft gegriffen. Blödsinn.

Wirklich? Wenn ein Verein, der ausnahmsweise mal zwei Spielzeiten nichts gewinnt, einfach mal so 100 Mio für neue Spieler ausgeben kann? Wenn die Zahl gestern stimmte, seit 2009 300 Mio? Der diesen Spielern dann sicher auch keine Hungerlöhne zahlt? Der sich sicher sein kann sich auch in der nächsten (und der folgenden. Und der darauf folgenden…) Saison wieder an den Fleischtöpfen des europäischen Fußballs zu laben? Der Vereinen, die in einer Saison eine Lucky Punch setzen und wenigstens einmal oben mitspielen, eben so die Spieler entwenden kann, weil seine Finanzkraft es ihm erlaubt?

Das ist kein Einzelfall, sondern zeichnet sich seit Jahren ab. Mit Einführung von mehreren Startplätzen für bestimmte Länder in der europäischen Königsklasse erhalten bestimmte Teams Planungssicherheit. Und können dementsprechend shoppen gehen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Das führt dazu, daß sich Monokulturen bilden. Die mal mehr, mal weniger interessant sind. Im großen und ganzen führen sie aber zum gleichen Ergebnis:

Es wird langweilig.

Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie das Spiel ausgeht. Hat der Herberger gesagt. Und da hat er ja recht. Das tun sie noch heute. Denn man kann Fußball nicht vorhersagen. Auch Geld schießt nicht zwingend Tore. Aber die Wahrscheinlichkeiten verschieben sich. Wenn ein Verein jetzt schon in der zweiten Saison durch die Liga marschiert und alles, was sich ihm in den Weg stellt, niederwalzt, dann trägt das nicht wirklich zur Spannung bei.

Das ist aber auch alles nichts, was man dem Verein vorwerfen könnte. Der macht nur seine Arbeit. Und zwar in den Maßen, die ihm das Regelwerk erlaubt. Viel armseliger sind die apologetischen Jubelperser, die sämtliche Klischees über erfolgsverwöhnte und arrogante Bauern bestätigen wollen. Mal ehrlich, wird da wirklich an den Schmuh geglaubt, den man da so teilweise von sich gibt?

Wie gemein, der arme kleine dicke Junge. Wird von seinen ehemaligen Spielkameraden runtergemacht. Fies! Gegenfrage: wann wurde zuletzt ein Spieler aus seinem laufenden Vertrag herausgekauft? Bei der deutschlandweit – europaweit. weltwelt. – besten Mannschaft? Müßte der Prinz aus der Domstadt gewesen sein, richtig? Großer Verlust. Anhänger des deutschlandweit – europaweit. weltwelt. – besten Clubs kennen das Gefühl nicht, daß jemand, dem sie zugejubelt haben, urplötzlich woanders spielt. Es ist ihnen fremd.

Ebenso wie das so oft beschworene Gefühl des Abgrunds. Der Existenzangst. Finale dahoam my ass. Es war ein Finale. Die Existenz des Vereins war dadurch nie bedroht. Sicher, mag schmerzhaft sein, so was. Aber vergleichbar mit einem Abstieg? Cry me a river. Während woanders die letzten Kröten zusammengeklaubt werden müssen, um irgendwie die Lizenz zu stemmen und nicht völlig in den Niederungen des Provinzfußballs zu verschwinden, wird im Stammsitz des deutschlandweit – europaweit. weltwelt. – besten Clubs einfach die Tür zur Festgeldabteilung aufgeschlossen und Einkaufen gegangen. Weil man es kann. Und dann weiß man wieder, daß man in der nächsten Spielzeit Minimum zwischen Platz 1 und 3 landen wird. Welcher Verein kann das von sich behaupten?

Nein, sie werden es nie verstehen. Die Anhänger des deutschlandweit – europaweit. weltwelt. – besten Clubs werden sich weiter mit allen anderen vergleichen, verständnislos in die Runde blicken und sich fragen, warum niemand sie für voll nimmt. Ich bringe durchaus Verständnis dafür auf, daß sich diese Leute mit den Erfolgen ihrer Lieblinge freuen und zufrieden sind. Dann müssen sie aber auch damit leben, daß der Rest der Republik irgendwann keinen Bock mehr hat.

Sie sollten aber vielleicht auch verstehen, daß es denjenigen, von denen sie kritisiert werden, nicht um ihren heißgeliebten Club geht, sondern um daß Große Ganze. Die Vereine sind austauschbar, es steht nunmal zur Zeit der deutschlandweit – europaweit. weltwelt. – beste Verein ganz oben. Es hätte in den letzten 20 Jahren auch ein anderer sein können.

An der Langeweile hätte es nichts geändert.

(Disclaimer: ja, es ist mir bewußt, daß das nicht nur vor meiner Haustür, sondern im Rest Europas genauso ist. Macht es das um irgendeinen Deut besser?)

(Disclaimer II: vielleicht schreibe ich das irgendwann nochmal weniger kryptisch, weniger wirr und weniger gegen eine bestimmte Personengruppe gerichtet auf.)

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