Ignoranz als beste Waffe

Spielabsagen lassen Zeit um den Blick über andere Dinge schweifen zu lassen. Zum Beispiel über den Abstiegsk(r)ampf im Oberhaus.

Im Grunde genommen passiert ja nichts neues. Es war alles schon einmal da. Als Anschauungsobjekt. Ob man etwas daraus lernen wollte, konnte jeder für sich entscheiden. Auch, welche Vorgänger man zum Vergleich heranzieht. Diverse Leute fühlen sich bei der Situation in Hamburg an den Abstieg des Effzeh 2012 erinnert. Mir kommen eher Kaiserslautern und Frankfurt 1996 bzw der Effzeh 1998 in den Sinn.

Sicher, in der Hansestadt wiederholt sich vieles von dem, was in der Domstadt vor ein paar Jahren schon eindrucksvoll vor die Wand gefahren wurde. Heilsbringer, Ex-Aktive, das komplette Programm. Und trotzdem ist der markanteste Vergleich, der mir auffällt, daß Herumreiten auf der eigenen Historie als Rechtfertigung für eine Zugehörigkeit zur höchsten Spielklasse.

Wir erinnern uns. 1996 gab es noch vier Gründungsmitglieder der Bundesliga, die seit der ersten Saison immer erstklassig geblieben waren. Über die Jahre mal mehr, mal weniger erfolgreich. Wirklich vorstellen, daß es auch etwas unterhalb der ersten Liga gab, konnte man sich bei diesen Klubs eher nicht. Geburtsrecht quasi. Man muß einfach dazu gehören. Man war ja immer da. Sicher, es gab kritische Stimmen. Man könnte so einen Abstieg ja auch nutzen. Zur Regenration. Zum Neuaufbau. Passiert ist in allen Fällen mehr oder weniger nichts. In einer Zeit, in der man anfing das ganz große Geld zu verdienen, vergammelten die „Traditionsvereine“ (schlimmes Wort) im Unterhaus und fristeten ein Dasein als Fahrstuhlmannschaft.

Bis zum heutigen Tag sind diese Klubs mehr oder weniger gut damit zurecht gekommen. In Köln scheint man langsam zu der Einsicht gekommen zu sein, daß man einfach mal längerfristig planen muß. Und es scheint Früchte zu tragen. In Frankfurt hat man es sogar bis nach Europa geschafft. Nur Lautern dümpelt noch ein wenig hinterher.

Was das mit dem HSV zu tun hat? Die Twisted Sister Version, die auf „…immer erste Liga“ endet, spricht meines Erachtens Bände. Die Tradition wird es schon richten. Ein sicherer Weg in das Fegefeuer der zweiten Liga.

Wäre ich traurig, wenn der HSV oder Werder Bremen oder der VfB Stuttgart absteigen würden? Nö, nicht im geringsten. Warum sollte ich. Schlecht geführte Vereine, die mehr falsch als richtig machen. Muß ich nicht zwingend haben. Ich nehme auch in Kauf, daß damit mehr „Plastik“ in der Liga spielt. So what? Das „Plastik“ ist sportlich aufgestiegen.

Vielleicht hängt das auch nur mit den Ansprüchen zusammen. Wenn man sich nur gut fühlt, wenn man Bundesligafußball sehen kann, dann soll das eben so sein. Aber das Spiel braucht keine Menschenmassen, um faszinierend zu sein. Seit Jahren schaue ich einem Klub zu, der keine Massen mobilisiert. Der kein Stadion füllt. Der nicht nach Europa fährt. Und es macht trotzdem Spaß. Und einen Verbandspokal zu gewinnen hat mindestens genausoviel Charme wie ein DFB-Pokalsieg.

Ein Abstieg ist kein Allheilmittel. Ein Nichtabstieg hilft aber in den meisten Fällen auch nichts.

Für den Außenstehenden bleibt das Gefühl einem sich entwickelnden Unfall beizuwohnen. Irgendwie eklig.

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