Auswärtsspiel: Gegensätze (Champions League Achtelfinale: Borussia Dortmund – Zenit St. Petersburg 1:2)

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Für meinen Vater war es eine Reise zurück in seine Jugend, für mich die Gewissheit, daß Big Business einfach nichts für mich ist.

Mein Vater hatte über einen Bekannten Tickets für das Spiel organisiert und wollte die Fahrt nach Dortmund nutzen, um auf den Spuren seiner Jugend zu wandeln. Zu diesem Zweck machten wir uns ziemlich zeitig in Richtung Dortmund-Hörde auf. Ich will mich nicht in touristischen Empfehlungen ergehen (dafür habe ich eh einen anderen Blog), aber eine Sache fand ich aus fußballtechnischer Sicht sehr schön. Wir schlenderten bei unserem Gang durch den Stadtteil auch durch das alte (im Sinne von „betagte“) Stadion des VfL Hörde 1912, das Goystadion. Schön gelegen zwischen Reihenhäusern, Sozialbautürmen, Schnellstraßen und Schrebergärten. Ein klassischer Kreisligaplatz aus Asche. Aber mit Stufen rund um das Feld. Und einer Laufbahn. Und Tischtennisplatten hinter einer Gegengerade. Und kleinen Kassenhäuschen. Und alle 20 Meter ein Mülleimer. Wunderhübsch. Muß ich vielleicht irgendwann mal so hin.

Und dann der Kontrast.

Menschenmassen, Prunk, Glanz. Champions League. Der Sponsorenname an der Seite der Arena. Abertausende in den gleichen Farben, wummernde Musik, durchchoreographiertes Entertainment. Ich war noch nie bei einem Bundesligaspiel im Westfalenstadion, aber bis auf eine höhere Zuschauerzahl stelle ich mir das nicht wirklich anders vor. Und ich muß zugeben, es ist nicht wirklich meins.

Vielleicht bin ich durch meine Besuche bei der Fortuna zu sehr anderes gewöhnt, aber dort finde ich wenigstens das, was mir gefällt. Sicher, so ein Besuch in einem großen, und vor allem vollen Stadion ist etwas besonderes. Mal das mitzuerleben, was man sonst nur auf dem heimischen Sofa lümmelnd sieht. Aber der Live-Eindruck bringt mich nicht dazu allzu schnell nochmal wiederzukommen.

Wo fange ich an. Vielleicht mit der vielbesungenen Gelben Wand? Oder soll man das lieber Ultra-Singsang-Abspielstation nennen. Es ist einfach nur langweilig. Kein exklusiv Dortmunder Phänomen, aber an dem Abend eben auffällig. 90 Minuten langweilige Dauerberieselung. Und wirklich laut ist das, was dann am anderen Ende des Stadions ankommt, nicht wirklich. Aber gut, vielleicht lag das an der verringerten Zuschauerzahl.

Oder vielleicht mit den Strategen eine Reihe hinter mir, die alles und jeden und jede Aktion auf dem Platz kommentieren mußten und so offenbarten, daß sie von einem Spiel namens Fußball noch nie etwas gehört, geschweigen denn verstanden haben. Als Kontrast wiederum fand ich sehr schön, daß das Publikum als Ganzes häufig Fußballsachverstand bewies, indem es sehr fein unterscheiden und bemerken konnte, welche Aktion auf dem Platz Szenenapplaus verdient, und welche nicht. Das gefiel mir sehr gut, so was kenne ich aus dem Südstadion.

Aus dem Südstadion kenne ich auch, daß man Entscheidungen des Schiedsrichters gegen die eigenen Mannschaft in den meisten Fällen akzeptiert. Nicht immer, aber meistens. Nicht so im Westfalenstadion. Mag zum Event gehören, verleidet mir aber ein wenig die Lust am Spiel.

Erschreckend allerdings die Einlaßkontrollen. Da verwundert es in der Rückschau nicht, daß die Auswärtsfans einiges zum Zündeln in den Block bekommen hatten. Der Ordner, der mich kontrollierte, tastete sehr lapidar über meinen Oberkörper, Gegenstände in meinen Jackentaschen wurden ohne zu Fragen hingenommen. Ich hätte wer weiß was mit reinnehmen können. Wenn das in jedem Bundesligastadion so ist, dann erklären sich die ganzen Zwischenfälle von selbst.

Anonsten natürlich beste Sicht (Block 30) auf’s Feld und eine Bombenakustik der Stadion-PA. Muß man ja auch mal anmerken. Das kenne ich aus dem Südstadion so natürlich nicht.

Kurz um: natürlich ein Erlebnis, auch mit diversen Niederländern während der Halbzeit in der Schlange vorm Klo zu stehen. Alte und junge Menschen vor dem Spiel zu beobachten, wie sie Richtung Eingang streben. Ein großes Fußballfest, so soll es ja auch sein. Aber eben nichts, was ich alle zwei Wochen oder vielleicht sogar noch öfter brauche.

Ein Wort zum Spiel? Wenn’s denn sein muß. Unzureichend. Die Mannschaft war nicht richtig schlecht, aber sicherlich nicht gut. Insofern geht die Niederlage völlig in Ordnung. Und wenn sie nicht aufgepaßt hätten, dürften sie sich das Viertelfinale in der Glotze ansehen. Das muß dann als Bewertung von meiner Seite auch reichen.

Ich freu‘ mich, wenn ich wieder ins Südstadion kann.

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