Bahncard Ultrà (Borussia Dortmund U23 – Fortuna Köln 0:2)

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Ich fahre nicht oft auswärts und tendiere dazu, mit die Rosinen herauszupicken. Eine solche Rosine gab es am vergangenen Wochenende mit dem Gastspiel der Fortuna in Dortmund.

Aufmerksame Leser werden meine Schwäche für die Borussia sicher bemerkt haben und ich mag sie auch nicht wirklich verbergen. Insofern machte eine Reise nach Dortmund durchaus Sinn. Und eigentlich sollte mich mein alter Herr begleiten, aber der war urlaubstechnisch verhindert. Also fuhr ich höchst dekadent im ICE. Nun mag der eine oder andere die Nase rümpfen, völlig okay. Ich reise eben lieber bequem und bis auf die Verspätung hat sich das Geld auch gelohnt.

Mein Ankunft hatte ich absichtlich sehr früh geplant, um dem Fanshop der Borussia noch einen Besuch abzustatten. Ja, ich gestehe, mein Japan-Faible macht auch vor Kagawa Merchandise nicht halt. Leider gab’s keinen Rückenflock in Kanji. Eine Marktlücke. Faszinierend (und etwas befremdlich) auch, daß trotz eines Auswärtsspiels der ersten Mannschaft am Abend in Mainz die neu eröffnete Fanwelt ziemlich gut gefüllt war. Aber gut, ähem, ich war ja auch da. Der Rubel scheint also ziemlich gut zu rollen.

Das Ergattern der Eintrittskarten war dann hingegen „etwas“ abenteuerlich. Man muß zu den Gästenplätzen an der Gegengerade des Stadions Rote Erde entlang. Meine Vermutung wäre nun gewesen, daß an dem Eingang da eine Kasse ist, an der man, gut, eine Karte kaufen kann. Nur gab es da kein Kassenhäuschen. Eine Nachfrage beim freundlichen Ordner führte mich dann einmal um die Ecke zu drei sehr einsam und verlassen stehenden Häuschen, von denen eines wiederum von zwei Ordnern bewacht wurde. Irgendwie skurril.

Überhaupt, die Ordner. Ich habe mich sehr angenehm behandelt gefühlt. Der Ordner am Eingang war sehr freundlich, der am Kassenhäuschen besorgt, als ich mein BVB-Portemonnaie zückte, und die Dame am Haupteingang, die auf mein Ticket aufpasste, als ich im Biergarten mit @dschaefer93 ein Getränk zu mir nahm, war sowieso herzallerliebst. Rundum gelungen. Auch die Tatsache, daß ich meine Tasche ohne Probleme auf die Gästeplätze mitnehmen durfte. Punktsieger Dortmund.

Auch was das Stadion angeht. Im Schatten des vielleicht etwas seelenlosen Kolosses Westfalenstadion ein echtes Schmuckstück. Dieser schräge Turm, Kasten, was-auch-immer, der hinter der Gästegerade steht und die geräumigen Toiletten beherbergt, ist sehr schön geraten. Und, ja, ich mag Stadien mit Laufbahn.

Das Spiel hingegen war eine relativ deutliche Angelegenheit. Fortuna hatte die Angelegenheit über weite Strecken im Griff, war im Abschluß aber leider wieder mehr als schludrig. Allein Hamdi Dahmani hat mich mit seinem Kunststück aus zwei Metern am leeren Tor vorbeizuschießen mehrere Haare gekostet. Dazu dreimal Gebälk. Da machste was mit.

Gut, daß es Johannes Rahn gibt. Und ich hätte nie gedacht, daß ich das mal schreiben würde. Der spielt über weite Strecken dermaßen pomadig und phlegmatisch, aber dann glänzt er zweimal, und beim zweiten Mal sogar in Weltklasseform. Den Heber muß man so erstmal spielen.

Die Dortmunder waren phasenweise relativ planlos und gingen folgerichtig als Verlierer vom Platz. Die könnten tatsächlich eine von den drei Mannschaften sein, die Fortuna hinter sich lassen könnte. Da lief nicht viel zusammen und das ganze Team wirkte den Kanten der Fortuna auch körperlich unterlegen. Die rote Karte für Marc Hornschuh war dann auch irgendwie folgerichtig. Sie blieben durch einige Fernschüsse aber immer gefährlich, weil Fortuna ab und an ein wenig einschlief.

That being said, der Einsatz bei Fortuna stimmte. Nicht nur auf dem Platz. Uwe Koschinat war bis auf die Gegengerade zu hören und stand zeitweise kurz vor ’nem Platzverweis. Lustig auch, daß die Silhouette von Klaus U. sehr gut und deutlich zu erkennen. Der scheint auf der Tribüne ja für allerhand Unterhaltung gesorgt zu haben. Ebenso der Fortunaanhang, der irgendwann gegen Ende des Spiels Luftballons in den Himmel steigen ließ, was mich irgendwie an den 7th-Inning Stretch bei den Hanshin Tigers in Japan erinnerte. Grandios. Wird das jetzt immer gemacht? Ich fänd das super.

3 Punkte, ein schöner Ausflug in ein wirklich schönes Stadion, Bombenwetter (nach Regen auf der Hinfahrt) – was will man mehr. Ich muß das nicht jedes zweite Wochenende haben, aber in dem Fall hat mir die Rolle als Bahncard Ultra gefallen.

Mannschaftsaufstellung:
Poggenborg – Fink, Uaferro, Hörnig, Kwame – Pazurek, Andersen – Rahn, Oliveira Souza (ab 54. Minute Kraus), Dahmani (ab 90. Engelman) – Kialka (ab 82. Minute Aydogmus)

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